Meine erste Kung Fu Stunde in China Teil 2

Meine erste Kung Fu Stunde in China Teil 2

Zurück in meinem Quartier lag ich auf meiner durchgelegenen Matratze. Mit hinter dem Kopf verschränkten Armen starrte ich an die Decke die schon lange keinen Anstrich mehr gesehen hatte. Ich stellte mir meine erste Kung Fu Stunde vor mit dem zufällig gefundenen Meister während ich nebenbei tote Moskito Körper an Wand und Decke zählte. Die zwei Bettdecken waren gerade genug um mich die eisige Kälte außerhalb des Gebäudes vergessen zu lassen. Aber es brauchte doch schon eine ganze Weile bis die kalten Knochen gewärmt wurden. Um so seltsamer war es diese vielen zermatschten Moskitos überall im Zimmer zu sehen. Noch nicht ganz aufgewärmt dachte ich hier muss im Sommer auch das andere Extrem herrschen. Ich zog meinen Reisewecker auf, der neun Uhr anzeigte und stellte die Weckzeit auf vier Uhr morgens und zog danach sofort meine Arme unter die warmen Decken. Nirgendwo im Hotelzimmer gab es ein Temperatur-Anzeiger aber ich schätzte es waren nicht mehr als 13-15 Grad Celsius. Denn ohne unter die Bettdecke zu gehen konnte man sich in dem Raum seine Knochen garnicht aufwärmen. Bevor ich einschlief gingen mir noch einmal die Worte des Meisters durch den Kopf: „Fünf bis sieben beste Kung Fu Zeit“.

Ich weiß nicht wie lange der Wecker schon klingelte bevor ich den Arm aus der kuschelig warmen Decke raus bewegte und den Wecker zum schweigen brachte. Mein Kopf war eiskalt da er nicht unter der Decke war. Das Wort Schlafmütze bekam eine neue Bedeutung für mich. Schlafmütze meint nicht verschlafen sein sondern eine Reale Mütze die man trug um sein Gehirn nicht einfrieren zu lassen während der Wintermonate. Gemälde aus dem Mittelalter kamen mir in den Sinn wo man solche Gestalten malte mit diesen seltsamen Nacht -Kopfbedeckungen. Nach diesem Aha Erlebnis warf ich entschlossen die Decken zur Seite, sprang ich aus dem Bett landete auf meinen Füssen welche dicke Wollsocken trugen. Das anziehen war Rekord verdächtig nur nicht stillstehen immer bewegen damit man warm blieb. Nachdem ich meine Daunenjacke anhatte und meine Springerstiefel aus der Bundeswehrzeit, blickte ich kurz aus dem Fenster. Es war noch stockdunkel aber durch den Schnee und den paar Laternen doch irgendwie hell und eisig klar. Ich atmete kurz durch verlies das Hotel in dem noch kein Mensch zu sehen war. Die üblich Haltung annehmend, Kapuze hoch, Hände mit Handschuhen in den Taschen, den Schal über den Mund gewickelt schritt ich entschlossen meiner ersten Kung Fu Stunde entgegen. Der gefrorene Schnee knirschte laut unter meinen Springerstiefeln. Kung Fu, Kung Fu, Kung Fu endlich ging mir wir eine hängende Schallplatte durch den Kopf während meine Schritte immer schneller wurden. Aber was in der Hölle soll das mit dieser unmenschlichen Uhrzeit. Diese Gedanken-loops gingen mir wie ein Mantra durch den Kopf als ich kurz vor fünf bei des Meisters Haus ankam. Obwohl schnellen Schrittes konnte ich es nicht verhindern das Kälte, es waren um diese Uhrzeit minus 27 Grad, wieder bis zu den Knochen vordrang. Der Meister wartete schon erfreut mit seinem Übersetzer-Schüler vor seinem Haus und schien voller freudiger Erwartung. Nach dem Kung Fu Gruß, den ich schon am Abend vorher als erste Übung gelernt hatte, beäugte mich der Meister von oben bis unten mit einem Lächeln. Er sagte etwas zu seinem anderen Schüler und beide lachten herzlich aus dem Bauch.

Kälte und Kung Fu in China

Da bemerkte ich das beide nur mit einem blauen Trainingsanzug, Marke Synthetik und Adidas nach empfunden da standen. Gekrönt wurde alles durch die weißen Stoffturnschuhe welche sich kaum vom Schnee abhoben. Beide hatten rote Backen und Ohren wie abgesprochen und sie schienen nicht einmal zu frösteln. Dann fingen sie an zu rennen und ich hinterher. Ein unbeholfenes Trampeltier wäre wohl der richtige Ausdruck für einen der mich hier so rennen sah. Dagegen der Meister und sein Schüler welche mittlerweile eine beachtliche Weite zwischen uns gebracht hatten, wie zwei Schneeleoparden anzusehen. Zum Glück war der Park nicht so weit Weg, trotzdem fing ich an zu schwitzen und mir wurde jetzt klar warum vorhin so herzlich gelacht wurde. Das eigentliche Kung Fu Training hatte noch nicht einmal begonnen und ich musste die Kapuze meiner Daunenjacke runter schieben und den Schal abnehmen.

Der Reiterstand war das erste was ich erlernte. Hey dachte ich will doch Kung Fu erlernen was soll das alberne rum gestehe. Vor allem die beiden die beiden Herrschaften vor mir taten nichts. Nach einer Weile zündete der Meister sich sogar eine Zigarette an und verpestete die Luft um mich herum während ich immer noch im Horse Riding Stance stand und ich anfing meine Schweißtropfen den Rücken runter fließen spürte. Keine Erklärungen wurden während der Übung gemacht. Wenn der Meister mit seinen Finger nach unten zeigte wenn ich höher ging war die einzige Kommunikation während ich so rum Stand und dabei einen Sinn erkannte. Ich wollte Kung Fu erlernen mit tollen edlen Bewegungen stattdessen stand ich rum. Mittlerweile waren meine Stiefel voll mit Schweiß, ich dampfte aus allen Poren, würde jetzt gerne alles ausziehen, keine Kälte spürend, sehnte mich unbekleidet in Schnee zu springen um mich darin zu wälzen. Es waren bestimmt noch keine 5 Minute vergangen wie kann das sein. Mein Körper zitterte am ganzen Leib, die Oberschenkel brannten während ich immer wieder meine Füße zusammen schieben musste das sie durch den Schnee zur Seite wegrutschten. Nach weiteren Minuten und einem anscheinend an meinem Leiden desinteressierten Meister der sich noch eine Zigarette anzündete und mit seinem anderen Schüler plauderte, bemerkte ich das der Schnee zwischen Beinen zu Schmelzen begann. Meine Schweißtropfen die an meiner Daunenjacke runter kullerten waren der Grund dafür. Ich Idiot Daunenjacke, Springerstiefel, Nato -olivgrüne lange Winterunterwäsche, zwei Pullover noch drunter zu einem Kung Fu Training. Der nächste Gedanke es ist nicht zu fassen wie kann Mensch bei Minus 27 Grad so schwitzen das alles durchnässt ist und der Schnee unter ihm schmilzt.

Fortsetzung folgt

Meine erste Kung Fu Stunde in China, Teil 1

Meine erste Kung Fu Stunde in China, Teil 1

Immer noch Minus 20 Grad in Peking jedes stehen bleiben ist unangenehm, den Kopf heben bei dem eisigen Wind unterlässt man so weit möglich. Wie bizarr so manche Muster aus Schnee und Eis sich auf dem Asphalt zeigen. Fußabdrücke, Fahrradspuren, Schleifspuren von irgendwas, kreuzen sich laufen parallel, verschwinden auf einmal, unberührte jungfräuliche Eis- oder Schneeflächen dazwischen wirken wie kleine Inseln. Neue Erfahrung so gesengten Hauptes und Blickes durch die Strassen zu eilen, wichtig nicht zu langsam werden der Kälte wegen. Auf der Suche nach Kung Fu oder wenigstens nach einem Restaurant, wo die Heizung funktionierte. So manche Laterne fast mitgenommen gerade noch so umschifft. Menschen rempeln mich an egal ob jung ob alt männlich oder weiblich. Alles fühlt sich roh und kalt an hier in der Stadt des letzten Kaisers von China. Entlang eines kleine Flusses sehe ich obdachlose Menschen am Ufer die sich Feuer machen schwarzen Gesichtern von den schwarzem Russ. Sie verbrannten alte Reifen oder standen um Metall Tonnen in dem sie so etwas wie Öl verbrannten, um sich zu wärmen. Tagelöhner wie ich später erfuhr, sie warten nicht auf Godot sondern auf eine Tätigkeit die sie überleben lies. Nicht genug um sich eine Unterkunft zu leisten welch ein zehrendes Leben dachte ich. Ich fühlte mich bei diesem Anblick sehr unwohl aber auch irgendwie glücklich wie gut mir es doch ging. In einer kleinen Seitengasse dunkel windig mit wenig Laternen dadurch viel Schattenspiel aber doch auch hell wegen der weißen Schneedecke sah ich es; mit roten Lettern in unserer Schriftart auf einer grauen blauen Häuserwand: Kung Fu. Ein roter Pfeil darunter zeigte auf einen Hofeingang im rundem klassischen Stil. Ich konnte es nicht glauben hob meinen Kopf um genauer zu hinzuschauen der eisige Wind verlor seinen schrecken. Zaghaft fast zögernd durchschritt ich den runden Eingangsbogen und ich ging in den Hof auf den der rote Pfeil hinwies.

In der Mitte des Hofes drehte ich mich um die Achse um alles zu erfassen und bemerkte wie angenehm es hier war. Der eisige Wind ist mir einfach nicht gefolgt und es war nicht so kalt hier. Blumenkübel mit zu gedeckten Pflanzen und in einer Ecke standen Dinge die für Kung Fu Training gedacht waren. Da waren Pfähle eingelassen in der Erde, Tontöpfe, Sandsäcke in vielen Varianten, Beton Steine mit Handgriffen. Mein Herz war sehr erfreut und hüpfte in meiner Daunenjacke. Da öffnete sich ein Fenster eine alte Frau erschien und chinesische Worte wurden mir entgegen geworfen. Ich zuckte mit meiner Schulter machte meine üblichen Gesten das ich kein chinesisch konnte. Zeigte aber dann gegenwärtig auf die Equipments in der Ecke. Ein Mann erschien hinter der alten Chinesin und schob sie zur Seite. Das es schon dunkel war und im Hof kein Licht war sah diese Szene sehr mystisch aus. Das geöffnete und erleuchtete Fenster warf sein Licht in den Hof mit dem Schatten des Mannes. Dieses Lichtspiel war direkt vor meine Füßen gelandet auf dem weißen Schnee. Der Mann verstand sofort was ich meinte als er meinen ausgesteckten Arm Richtung Kung Fu Ecke sah. Er schloss das Fenster, ich hörte rumpeln und chinesische Wortfetzen da ging die Tür auf und der Mann kam aus der Haustüre. Er verbeugte sich höflich, mhhh dachte ich bis jetzt war noch keiner so höflich hier in China. Seine Stimme war klar betont und sanft aber nicht laut schrill im Vergleich zu dem das was ich bis jetzt gehört hatte. Er bat mich ihm ins Haus zu folgen. Mollige wärme schlug mir entgegen, die Aufforderung die Jacke abzulegen nahm ich gerne an. Sofort kamen noch mehr Bewohner des Hauses und begutachteten mich. Sofort wurde der Fernseher von seine Decke befreit und eingeschaltet. Heißer Tee wurde serviert und wir versuchten uns so gut wie es geht zu verständigen. Er war also ein Kung Fu Meister und hatte so zwanzig englische Wörter drauf und ich so des gleichen in chinesisch. Sein Blick wahr sanft aber auch sehr klar. Alle Blicke der gesamten Familie ruhten auf mir aber das war ich ja schon gewohnt und fühlte mich deswegen nicht mehr unangenehm. Der Tee war lecker und wärmet mich von innen. Plötzlich kam ein anderer Mann die Tür hinein der Dolmetscher. Eines der Familie Mitglieder des Kung Fu Meisters war losgegangen ihn zu holen. Sein englisch war noch nicht sehr ausgefeilt, meines zu dieser Zeit auch noch nicht aber wir konnte alles nötige besprechen. Ergebnis morgen fünf Uhr in der Früh die ersten zwei Stunden Kung Fu. Der Meister hob den Daumen und sagte mit seinem chinesisch englisch beste Kung Fu Zeit. Mich fröstelte es nur bei dem Gedanken draußen im freien zu trainieren. Ich rechnete im Kopf den Fußweh hierher aus und wann ich aufstehen musste um pünktlich zu sein. Vier Uhr also aufstehen und mich auf den Weg machen zu meiner ersten Kung Fu Stunde. Frösteln stieg in mir auf bei dem Gedanken, brrrrr. Aber jetzt kann es endlich losgehen dachte ich erfreut….

Trainings Equipment Kung Fu

In China- das Land von Ping und Pong…

In China- das Land von Ping und Pong…

Na gut dachte ich draußen vor dem so genannten Touristen Büro in Beijing während ich meinen Kragen hochschlug damit ich dem eisigen Wind keine Angriffsfläche bot. Mittlerweile war es dunkel und die Straßen waren fast leergefegt was nicht oft in Beijing zu erleben ist. Doch die Kälte machte es möglich, das man ungestört, mit tief in den Jackentaschen vergrabenen Händen, welche trotz Handschuhe blau vor Kälte waren, seine Kreise ziehen konnte. Die sonst sehr laute, lebendig und menschenerfüllte Stadt war fast verstummt die wenigen Menschen auf der Straße redeten nicht, schauten nach unten, machten sich klein um General Frost zu entgehen. An diesem Tag waren es Minus 28 Grad laut Bericht aber der Wind ließen diese Minus Grade sich wie Minus 40 anfühlen.

Endlich zurück im Hotel wo ich in einem „Dormitory“ schlief, einen Gemeinschaftsschlafraum in dem ungefähr zehn Betten im Raum verteilt standen. An der Wand entlang standen nummerierte Metall-Spinde die Nummer 12 war meiner. Ich versuchte mit meinen zittrigen, kalten Händen das Schloss aufzubekommen. Gut das ich überhaupt ein Bügelschloß dabei hatte den dies hatte ich von einem Traveller gehört, nimm ein Schloß und eine Metall Kette mit du wirst sehen wie oft du das auf deinen Backpack Reisen brauchen kannst. Er hatte sehr recht das ABUS Schloß hat mir auf meinen fünf Jahren Reisen sehr oft gute Dienste erwiesen. Endlich das Spind Schloß auf mein Handtuch raus und ab in die Gemeinchaftsdusche da kam ich mir dann vor wie beim Militär oder Sportverein aber nur mit fremden Menschen, in einem fremden Land mit einer unbekannten Sprache, hahahah. Am Ende des Flures war die Dusche und ich traute meinen Augen, eine Menschen Ansammlung ich hatte das Gefühl alle wollten zur gleichen Zeit duschen. Ich war der einzige Europäer und alle Augenpaare scannten mich. Ein gutes Bild der europäischen Spezies habe ich bestimmt nicht abgegeben, zitternd blau die Handtücher fester um mich schlingend klapperte ich mit den Zähnen. Die anderen welches alle Chinesen waren standen mit nackten Oberkörper, die meisten von ihnen lässig rauchend, als würde ihnen die Kälte nicht ausmachen. Auf dem Flur wo wir warteten war es bestimmt nur zwischen 5-10 Grad und es stank wie in einer Kneipe weil geraucht wurde damals immer und überall in China und zu jeder Zeit. Später erfuhr ich das es wirklich nur zwischen 18:00 – 21:00 Uhr das heiße Wasser angemacht wurde. Denn Wärme ist Volkseigentum und darf nicht verschwendet werden. Es war mittlerweile kurz vor 21:00 Uhr und ich war endlich an der Reihe. In der Dusche hat es nur so gedampft und ich konnte kaum die anderen Mitduscher erkennen. Genau 9 pm wurde das Wasser kalt und ich war froh das ich schon die Seife von mir abgewaschen hatte. Mit dem jetzt aufgewärmten Körper legte ich sofort ins Bett und blieb auch dort obwohl ich noch nicht zu Abend gegessen hatte. Wärme ja Wärme die war mir jetzt viel wichtiger. Ich lies den Tag revue ziehen und kam zu dem Schluß das ich eigentlich nichts getan hatte außer das ich den richtigen Bus genommen hatte, das Touristenbüro gefunden, eine Reissuppe mit Chicken gegessen, den Heimweg angetreten und warm geduscht. Ahhh so läuft das auf ungeplanten Reisen, ein Ticket kaufen kann manchmal halt eine ganzen Tag dauern dachte ich so bevor ich einschlief. Dieser letzte Gedanke sollte sich noch so manches mal bewahrheiten auf meinen Reisen und dies nicht nur in China.

Angekommen in China und jetzt?

Angekommen in China und jetzt?

Drei Tage nun in Beijing, Eiseskälte dringt in die Lunge ein und das beim normalen atmen. Ich atme beim spazieren nur noch halb ein damit die minus dreißig Grad nicht mein inneres erreicht. Alles was man anfasst lassen die Finger noch mehr erstarren meine Handschuhe helfen nichts. Warten auf einen Bus wird zur Folter, die Nasenhaare sind mit Eiskristallen umhüllt, während ich wie ein Pferd auf der stelle trabe um mich warm zu halten. Mit den Händen in der Tasche und hoch gezogen Schultern denke ich: „Wie zum Teufel soll man hier bei diesen Widrigkeiten einen Kung Fu Meister finden?“. Das war ja mein Ziel und der Grund warum ich mit der Transsibirischen Eisenbahn bis nach Beijing gereist war. Die anderen Wartenden blicken stoisch wie von der Kälte unberührt vor sich hin, während ihr Atem weißen Nebel um ihre blauroten Backen ziehen lässt. Auf einmal kam Bewegung in die wartende Menge. Ich schielte von unten hoch um das geschehen zu beobachten denn jede Kopfbewegung würde der Kälte eine Lücke bieten und mir meine verbliebene Restwärme stehlen. Der Bus fuhr ein und der übliche Kampf mit Drängeln, schieben und Ellenbogen begann. Ich wartete das ab und drängte mich als letzter irgendwie noch rein. Wieviele Augenpaare auf mich gerichtet waren kann ich nicht mehr sagen aber ich Glaube es waren alle. Reisende waren 1989 in China noch nicht viele zu sehen und so wurde man angestarrt, angefasst oder vor einem ausgespuckt mit dem Kommentar fremder Teufel. Die Busspur fuhr neben vier Fahrradspuren welche voll mit blau oder grünen Uniformen auf ihrem schwarzen Einheits- Fahrrad waren.

Wo ist mein Fahrrad?

Ich Frage mich bis heute wie die Leute ihr Fahrrad immer wieder gefunden haben. Sie sahen alle gleich aus, zum Beispiel an Bahnhöfen waren es bestimmt ein paar tausend von ihnen angekettet. Gleiche Marke gleiche Farbe macht erfinderisch so hatten viele einfach klein farbige Bänder um den Lenker oder ein Farbtupfer irgendwo aber trotzdem suche das mal bei bei ein paar tausend Rädern. Die rote Daunenjacke war sehr auffällig neben meiner Größe in diesem kalten farblosen Alltag. Mein Tagesplan für heute war ein art Touristen Office zu besuchen um dort nach Kung Fu Meistern oder Schulen zu Fragen. Mehr als ein Ding erledigen pro Tag war Maximum denn jedes kaufen von Tickets oder Infos zu bekommen dauerte Stunden wegen den Problemen mit der Kommunikation und der chinesischen Schrift die ma ja nicht einmal lesen konnte. Buslinie rausfinden, richtige Bushaltestelle finden trotz der Schrift nicht mächtig zu sein, in die richtige Richtung fahren, etc. dies alles verzögert mächtig deswegen kam mir in den Sinn nie mehr als ein Projekt pro Tag. Mit dieser Einstellung bin ich auf meinen Reisen dann immer gut und relaxed gefahren. Die enge im Bus war unangenehm aber auch nett weil man von Körperwärme umgeben war und man ein wenig auftauen konnte. Heizung im Bus hahaha der Fahrer fuhr mit voller Montur Mütze und Handschuhe, der Wind blies eisig durch die undichten Türritzen. Bei jedem Stop traten Menschen mir auf die Füße oder schoben mir Ellenbogen in die Rippen beim Aussteigen sowie von den neu Einsteigenden. Jeder zog die Rotznase hoch oder holte Schleim aus den Bronchien die gefütterten Jacken die sie alle trugen erinnerten mich an das Michelin Männchen. Irgendwie störte meine rote Daunenjacke in diesem zwei Farben misch masch aus grün und blau der Fahrgäste. Gerade ein wenig durch die Enge im Bus aufgewärmt mußte ich aussteigen ich hatte die Busstationen mitgezählt neun an der Zahl. Draußen empfingen mich wieder die minus dreißig Grad. Hölle im vergleich zu den null Grad im Bus wie mein vereistes Hirn feststellte, der Wind machte es schwer die Augen offen zu halten. Das Gefühl als würden die Augen einfrieren war mehr als einmal präsent. Die Hände tief in der Tasche, die Kapuze zugeschnürt so das nur noch Nase und Augen zu sehen waren machte ich mich auf den ca. zwei Kilometer langen Weg zum Tourist Office. Endlich angekommen im Tourist Office sah ich einen kleinen Raum mit einem Schreibtisch auf dem ein einsames standardgraues Telefon stand dahinter saß eine Frau natürlich in arbeiterblauen Uniform darüber trug sie die Michelin Männchen Jacke und eine Mao Mütze als Kopfbedeckung. Zumindest war der Raum verhältnismäßig warm, ich schätze so fünf Grad. Der schwarze Bollerofen in der Mitte des Raumes gab nicht mehr her. Die Tourist Office angestellte sprach vielleicht zehn Wörter englisch. Der Reigen begann wie erkläre ich was ich suche. Fragen nach Kung Fu oder Kung Fu Meister in Beijing begegnete sie immer wieder mit einem Achselzucken oder machte sie das um ihre Schultern warm zu halten? Ich beschloß eine Vorführung zu machen damit sie endlich versteht was ich suche. Mit Hand- und Fußkombinationen aus dem Ju Jutsu in dem ich bereits Meister war bewegte ich mich um den warmen Bollerofen herum. Immer wieder sagte ich Kung Fu während meiner Performance. Sie wie aus der Pistole schrie heraus ahhhhh Wushu ahhhh Wushu understand. What Wushu ?, dachte ich und antwortete nein not Wushu, I`am looking for Kung Fu. So ging das ein paar mal hin und her denn ich kannte das Wort Wushu nicht und sie das Wort Kung Fu nicht. Denn Kung Fu ist das was man erworben hat durch ein intensives langwieriges Tun erwirbt. Das kann in allen Bereichen des Lebens sein, z.B. könnte man sagen das ein Mütze Koch Kung Fu im kochen hat, ein Meister Schmied hat dann Kung Fu im Metall bearbeiten und so weiter. Ja so wird der Begriff Kung Fu in China benutzt und deswegen die Verständigungsschwierigkeiten. Der Begriff Wushu wird hingegen verwendet wenn man allgemein von Kampfkunst spricht.

In China angekommen und jetzt…

Fortsetzung folgt 😉

Kann Kampfkunst spirituell sein?

Ja ich weiß ich hatte eine lange Pause…aber weiter geht es mit Themen die mich und vielleicht euch interessieren und weiterbringen in unserem Dasein.  Uns weiterbringen da fängt es schon was heißt das? Da ist es gut wenn man eine Idee hat wie man Informationen die wir aufnehmen betrachten könnte. Bringt sie uns Wissen, bringt sie uns Erkenntnis, bringt sie uns Weisheit oder sogar spirituell weiter?

Nehmen ich jetzt das Wort Kampfkunst  und betrachte ich es besteht es aus zwei Substantiven auch Kompositum. Kampf und Kunst eigentlich ein wenig konträr wenn man es einmal wirken lässt. Kampf das martialische und Kunst ist ein Produkt aus einer Kreativität heraus. Man könnte sagen körperlich und geistiges vereint oder aber auch Yin und Yang.

Nun gibt es aber noch den Begriff Kampfsport hier wider rum liegt der hinweisende Schwerpunkt auf Sport. Sport würde ich definieren als eine Tätigkeit (körperlich / geistig) die in der Gesellschaft selbst keine Produktion hervorruft. Sport wird gemacht aus Freude oder aus dem Leistungswillen heraus, so etwas wie schneller, höher und weiter Motivation.

Also wer Kampfsport macht will etwas über die körperliche Messbarkeit erreichen. Üben zur Verteidigung oder  sich im Wettkampf beweisen wo man mit seinem Können dasteht in der Riege der Gleichgesinnten.

Mein persönlicher Weg  zum Beispiel war über Kampfsport zur Kampfkunst. Erst  wollte ich mich nur  verteidigen lernen haben mich dann später Jahre lang  auf  nationalen und internationalen Turnieren erfolgreich mit anderen gemessen. Nach ca. zehn Jahren meldete sich der Körper immer mehr,das aufstehen morgens wurde schmerzhaft,der Schlaf war nie genug, Gelenke und Knochen brauchten immer längere Aufwärmphasen. Das Los eines jeden Leistungssportler nach Jahren körperlichen Grenzgängen. Mitte zwanzig angekommen die Grenzen des Körpers wahrgenommen da stellt sich einem natürlich die Frage was jetzt? Ich schaute mich um in Bibliotheken suchte Bücher über Meditation, Energiearbeit inspiriert von Filmen wie Kung Fu mit David Carradine, 36 Kammern der Shaolin oder aber auch Bruce Lee. Noch nicht wissend das ich Jahre später genau diesen Linien zugehörig sein würde. Meine innere Stimme sagte oder flüsterte besser gesagt immer wieder: “ Hey der Körper ist limitiert“ . Nach ca. fünf Jahren in Asien auf der Suche nach einem real Master (siehe meinen blog“search for a real master“) wurde ich belohnt die Transformation konnte beginnen.

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Unsere Buddha Halle, Shaolin Wahnam Institut in Frankfurt Germany 

 

Ich hörte zum ersten mal die daoistische Sichtweise der drei menschlichen Schätze:

  • Jing
  • Qi
  • Shen

Jing der Körper, Qi die Lebensenergie und Shen der Geist. Ich bekam Übungen von meinem Sifu (Lehrervater) die ich am Anfang gar nicht verstand. Jing ja den Körper hatte ich genug trainiert dachte ich. Jetzt war alles anders bei jeder körperliche Übung wurde mir im Training jahrelang gesagt, geflüstert oder aber auch in Gesicht gebrüllt keine Spannung. Seltsames stehen wurde mir beigebracht Zhan Zhuang, stehende Säulen das Geheimnis für korrekte Ausrichtung des Körpers damit das Qi sich entwickeln kann und ungehindert fließen kann. Selbst der Shen wird auf der fortgeschritten Ebene bei diesen Zhan Zhuang entwickelt.

Kampfkunst nannte ich nun  mein Shaolin  Training denn ich übte etwas was nicht körperlich für mich greifbar war. Was fein stoffliches  ging in mir vor das ich am Anfang, heißt die ersten Jahre nicht greifen konnte aber merklich zu spüren war.

Im nächsten Blog in dieser Serie werde ich weiter in Richtung der Spiritualität gehen, weiter meine Erfahrungen innerlich und äußerlich mit euch teilen. Die Transformation von Kampfsport zur Kampfkunst…

bis dahin und be happy 🙂